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Was ist ein Posaunenchor?

Was verbirgt sich hinter einem evangelischen Posaunenchor? Wie ist diese besondere Form der kirchenmusikalischen Arbeit entstanden und warum begeistert sie seit fast 200 Jahren Menschen aller Generationen? Auf dieser Seite finden Sie einen kurzen Überblick. Noch anschaulicher zeigen die folgenden Videos des Evangelischen Posaunendienstes in Deutschland (EPiD), was einen Posaunenchor ausmacht.
 
Erklärvideo des EPiD (05/2024)
 
Imagefilm des EPiD (05/2024)
 
Wer den Begriff „Posaunenchor“ zum ersten Mal hört, vermutet oft eine Gruppe von Posaunenspielern. Tatsächlich gehören zu einem evangelischen Posaunenchor jedoch alle Blechblasinstrumente – von Trompeten und Flügelhörnern über Tenorhörner, Baritone und Euphonien bis hin zu Posaunen und Tuben.
 
Interessanterweise waren die ersten Posaunenchöre sogar überwiegend mit Trompeten und Hörnern besetzt. Der Name „Posaunenchor“ geht nämlich nicht auf das Instrument Posaune zurück, sondern auf die Sprache der Bibel. Dort bezeichnet das Wort „Posaune“ häufig ein Blasinstrument, das zum Lob Gottes oder als Rufsignal für die Menschen dient. So wurde der Begriff zum Namen einer ganzen Bewegung kirchlicher Bläserarbeit.
 

Die Anfänge

Die Wurzeln der evangelischen Posaunenchorarbeit reichen in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. In einer Zeit gesellschaftlicher Veränderungen entstanden in vielen Regionen Deutschlands christliche Erweckungs- und Jugendbewegungen.Johannes Kuhlo (epd-bild/Bodelschwingsche Anstalten in Bethel) Pfarrer und engagierte Gemeindemitglieder suchten nach neuen Wegen, den christlichen Glauben zu den Menschen zu bringen – nicht nur innerhalb der Kirchenmauern.
 
Blechblasinstrumente eigneten sich besonders gut für diese Aufgabe. Ihr kräftiger Klang war auch im Freien weithin zu hören und erreichte Menschen, die keinen Gottesdienst besuchten. So begleiteten die ersten Posaunenchöre Gottesdienste, spielten Choräle auf Dorf- und Marktplätzen oder musizierten bei kirchlichen Festen und besonderen Anlässen.
 
Zu den prägenden Persönlichkeiten der evangelischen Posaunenchorarbeit zählt der westfälische Pfarrer Johannes Kuhlo (1856–1941). Er entwickelte ein einheitliches Klangideal, förderte die Ausbildung der Bläserinnen und Bläser und trug entscheidend dazu bei, dass sich die Posaunenchorarbeit in vielen evangelischen Gemeinden verbreitete. Noch heute wird er häufig als „Posaunengeneral“ bezeichnet.
 

Mehr als nur Musik

Von Anfang an war ein Posaunenchor weit mehr als ein Bläserensemble. Die Musik sollte Ausdruck des christlichen Glaubens sein, Menschen ermutigen, Trost spenden und Gemeinschaft stiften. Sie verstand und versteht sich als Teil der Verkündigung des Evangeliums.
 
Ein biblisches Leitwort der Posaunenchorarbeit findet sich in Psalm 150,3:
„Lobet den Herrn mit Posaunen.“
 
Dieser Vers bringt den Auftrag der Posaunenchöre bis heute treffend zum Ausdruck: Mit Musik Gottes Lob erklingen zu lassen und die Botschaft des Evangeliums hörbar zu machen.
 

Eine lebendige Tradition

Heute sind evangelische Posaunenchöre ein fester Bestandteil vieler Kirchengemeinden. Sie begleiten Gottesdienste, musizieren bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Trauerfeiern, gestalten Gemeindefeste undDeutscher Evangelische Posaunentag 2008 in Leipzig (Foto: Simon Langenbach) Konzerte und bringen ihre Musik auch an Orte, an denen Kirche den Menschen begegnet – auf Marktplätzen, in Seniorenheimen, Krankenhäusern oder unter freiem Himmel.
 
Bis heute zeichnet Posaunenchöre besonders das generationenübergreifende Miteinander aus. Kinder, Jugendliche und Erwachsene musizieren gemeinsam, lernen voneinander und erleben Gemeinschaft über Altersgrenzen hinweg. Viele Chöre bilden ihren Nachwuchs selbst aus und geben so die Freude am Musizieren und die lange Tradition der Posaunenchorarbeit an die nächste Generation weiter.
 
Derzeit musizieren deutschlandweit rund 100.000 Bläserinnen und Bläser in etwa 7.000 Posaunenchören. So verbindet die evangelische Posaunenchorarbeit seit nahezu 200 Jahren musikalische Qualität, christliche Verkündigung und gelebte Gemeinschaft – eine Tradition, die bis heute lebendig geblieben ist und auch in Zukunft ihren Platz in den Kirchengemeinden haben wird.